Kugelhantelheben
Kettlebell-Heben: Wettkampfregeln
Deutsche Zusammenfassung von Tyazhelaya Atletika. Ezhegodnik 1985 (Moskau: Fizkultura i Sport, 1985), S. 55–58: der Text ist eine Paraphrase, keine Übersetzung.
I. Art und Programm der Wettkämpfe
Die Wettkämpfe sind Einzel-, Mannschafts- oder Einzel-und-Mannschaftswettkämpfe, wie es die Ausschreibung des jeweiligen Wettkampfs vorsieht: Bei einem Einzelwettkampf zählt nur das eigene Ergebnis des Teilnehmers, bei einem Mannschaftswettkampf die Summe der Mannschaft, bei einem kombinierten Wettkampf beides getrennt. Verwendet werden Kettlebells von 24 und 32 kg in einem Programm aus zwei Disziplinen: dem Reißen mit einer Kettlebell, abwechselnd mit jeder Hand und ohne Ruhepause, und dem Umsetzen und Stoßen mit zwei Kettlebells. Eine Gewichtsklasse wird an einem Tag ausgetragen, zuerst das Reißen, mit einer Pause zwischen den Übungen von 30 Minuten bis 1 Stunde.
II. Teilnehmer
Teilnehmen dürfen nur Männer ab 15 Jahren mit ärztlicher Erlaubnis. Die Gewichtsklassen sind 60, 70, 80 und 90 kg sowie über 90 kg.
Wägung
Die Wägung beginnt 1.5 Stunden vor dem Start der Klasse und dauert 1 Stunde. Die Kampfrichter der Klasse wiegen die Heber, unbekleidet und nur einmal (ein Heber außerhalb seiner gemeldeten Klasse darf erneut gewogen werden), in einem Raum, der nur dem Hauptkampfgericht, je einem Vertreter pro Mannschaft und dem Trainer des Hebers offensteht. Die Ergebnisse werden ins Protokoll eingetragen, und die Reihenfolge des Aufrufs wird ausgelost.
Rechte und Pflichten der Teilnehmer
- Ein Teilnehmer muss die Regeln kennen, strenge Disziplin halten und sich anderen gegenüber korrekt verhalten.
- Er darf sich nur über seinen Mannschaftsvertreter, den Kapitän oder den Teilnehmerrichter an die Kampfrichter wenden und darf nur in einer Gewichtsklasse starten.
- Er darf keine Grifthilfen verwenden und keine fremde Hilfe annehmen.
- Er darf seine Kettlebells vor dem Aufruf an einem eigens vorgesehenen Ort unter den Augen der Kampfrichter vorbereiten.
- Ein Verstoß zieht eine Verwarnung nach sich; bei Wiederholung kann ihn das Hauptkampfgericht ausschließen.
Die Kleidung besteht aus Trikot oder Shorts und Sportschuhen oder Stiefeln. Kniebandagen, Handgelenkbänder und ein Gürtel bis 10 cm Breite sind erlaubt; Turnhandschützer sind beim Reißen nicht erlaubt.
Vertreter und Kapitäne
Jede Organisation bei einem kombinierten Wettkampf muss einen Vertreter haben, der die Mannschaft führt, für ihre Disziplin und ihr Erscheinen verantwortlich ist, bei Wägung und Auslosung anwesend ist und sich nicht in die Wertung einmischen darf. Fehlt er, übernimmt der Kapitän; beide dürfen Erklärungen und Proteste nur zu Teilnehmern der eigenen Mannschaft einreichen.
III. Kampfgericht
Das Kampfgericht wird vom Veranstalter zusammengestellt, der auch einen Platzkommandanten für Geräte und Wettkampfstätte bestimmt. Bei bis zu 20 Teilnehmern besteht es aus dem Hauptkampfrichter, dem Hauptsekretär, dem Arzt, dem Fixierrichter, dem Sekretär, dem Ansager und dem Teilnehmerrichter; bei mehr als 20 oder bei mehreren Podien kommen ein stellvertretender Hauptkampfrichter und weitere Kampfrichter hinzu. Die Kampfrichter müssen die Regeln sicher beherrschen, objektiv sein und ein weißes Hemd mit Krawatte und dunkle Hosen tragen.
Hauptkampfgericht und Berufungsjury
Das Hauptkampfgericht besteht aus dem Hauptkampfrichter, seinem Stellvertreter und dem Hauptsekretär. Bei gesamtsowjetischen und Republikwettkämpfen wird aus dem Kampfgericht eine Berufungsjury gebildet: der Hauptkampfrichter oder sein Stellvertreter, der sie leitet, und zwei Mitglieder der höchsten Kampfrichterkategorie. Bei weniger als 20 Teilnehmern handelt der Hauptkampfrichter allein als Jury.
Das Hauptkampfgericht überwacht die Durchführung des Wettkampfs, entscheidet über Erklärungen und Proteste (wobei der Wettkampf währenddessen unterbrochen wird), setzt sich bei einem offenkundigen Verstoß über den Fixierrichter hinweg und entfernt Kampfrichter, die grobe Fehler machen. Mit Stimmenmehrheit der Jury kann es eine bestimmte Zahl von Wiederholungen annullieren, wenn die allgemein anerkannte Technik verletzt wurde, und gibt dies vor dem Aufruf des nächsten Teilnehmers bekannt. Es kann den Zeitplan ändern und Teilnehmer wegen eines sowjetischen Sportlers unwürdigen Verhaltens oder wegen technischer Unvorbereitetheit ausschließen, darf aber die in der Ausschreibung festgelegten Bedingungen nicht ändern.
Hauptkampfrichter und weitere Funktionäre
Der Hauptkampfrichter ist dem Veranstalter für Organisation, Disziplin, Sicherheit, gleiche Bedingungen, objektive Wertung und Ergebnisse verantwortlich. Vor dem Start hält er eine Sitzung des Kampfgerichts und ein Regelseminar ab und prüft die Wettkampfstätte; er beaufsichtigt die Kampfrichter, bringt Proteste vor die Jury und legt innerhalb einer Woche einen schriftlichen Bericht vor. Er kann den Zeitplan ändern und Teilnehmer ausschließen, deren Technik oder Kleidung den Regeln nicht entspricht. Sein Stellvertreter folgt seinen Anweisungen und vertritt ihn bei Abwesenheit.
Der Hauptsekretär führt die Unterlagen und Protokolle, hält die Entscheidungen über Proteste fest, wiegt und beglaubigt die Kettlebells, stellt Rekordbescheinigungen aus und unterrichtet mit Erlaubnis des Hauptkampfrichters den Ansager, die Vertreter und die Presse.
Der Fixierrichter wiegt die Heber seiner Klasse, prüft die Kleidung, gibt durch Klatschen den Beginn einer Übung frei und gibt die Zählung und jedes Endergebnis laut bekannt. Bei einer technisch falschen Hebung ruft er „Nicht gezählt!“, und nach drei aufeinanderfolgenden Verstößen „Stopp!“.
Der Sekretär führt das Protokoll der Klasse, ruft den Heber aufs Podium und warnt den nächsten, beobachtet zusammen mit dem Fixierrichter die Technik, vermerkt das Ende jedes Reißens und gibt die Ergebnisse bekannt. Der Teilnehmerrichter prüft Anwesenheit und Kleidung, warnt die Heber vor ihrem Aufruf, meldet Abwesenheiten und Verweigerungen und vermittelt zwischen Teilnehmern und Kampfgericht.
Der Arzt unterstützt den Hauptkampfrichter in medizinischen Fragen: Er prüft den ärztlichen Sichtvermerk auf den Meldungen, überwacht die Teilnehmer bei der Wägung und während des Wettkampfs, behandelt Verletzungen oder Erkrankungen und entscheidet, ob der Heber weitermachen darf; jeden Ausschluss begründet er schriftlich.
IV. Ausführungsregeln
Allgemeine Bestimmungen
- Die Kettlebells stehen in der Mitte eines Podiums von mindestens 2 × 2 m.
- Eine Hebung ist korrekt und vollständig, wenn die Kettlebell(s) bewegungslos über dem Kopf am gestreckten Arm gehalten werden und der Fixierrichter sie laut zählt.
- Der Heber senkt die Kettlebell(s) erst nach der Zählung; beim Reißen auf den Unterarm und dann nach unten zum nächsten Schwung, ohne sichtbare Ruhepause.
- Ein technischer Fehler führt zu „Nicht gezählt!“, und die Zählung wird fortgesetzt, sobald die Ausführung wieder korrekt ist; ein dritter aufeinanderfolgender Verstoß führt zu „Stopp!“.
Reißen
Die Kettlebell wird in einer durchgehenden Bewegung angehoben, bis der Arm vollständig gestreckt und fixiert ist, Beine und Rumpf gestreckt. Nach der Zählung wird sie, wiederum durchgehend, auf den Unterarm und dann nach unten zum nächsten Schwung gesenkt. Die Hände wechseln ohne Halt während des nächsten Schwungs. Nicht erlaubt sind: Herausdrücken, das Ablegen der Kettlebell auf der Schulter, das Berühren des Podiums mit ihr sowie das Berühren des Podiums, der Kettlebell oder des arbeitenden Arms mit der freien Hand.
Umsetzen und Stoßen
Der Start erfolgt mit den Kettlebells auf den Unterarmen und den Ellenbogen unter Schulterhöhe; nachdem die Kettlebells zur Brust gehoben wurden, müssen Beine und Rumpf gestreckt sein. Nicht erlaubt sind: ein Stoßen mit Unterbrechung der Bewegung (Herausstoßen oder Herausdrücken), ein abwechselndes Stoßen der Kettlebells von der Brust, das Absenken auf die Schultern, das Stoßen von den Schultern und das Absenken von der Brust.
Wertung
Jede korrekte Wiederholung bringt 1 Punkt im Reißen und 5 im Umsetzen und Stoßen. Die höchste Summe gewinnt; bei gleicher Summe wird zugunsten des leichteren Hebers entschieden, dann nach der besseren Leistung im Umsetzen und Stoßen. Proteste gegen den Fixierrichter werden mündlich von einem Mannschaftsvertreter beim Hauptkampfgericht (Berufungsjury) eingelegt. Ein Heber mit null Punkten im Reißen darf nicht weitermachen. Ein Heber, der 32 kg statt 24 kg verwendet (sofern er in die Klassen I bis III eingestuft ist), erhält seine Punkte mit 1.3 multipliziert.